Um fünf vor 12 starteten Beschäftigte von TK Elevator am 20. Mai mit einer Kundgebung und Demo in Hannover, um gegen die geplante Fusion mit dem finnischen Konzern KONE zu protestieren. Mit dabei waren rund 80 Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlassungen Dresden und Erfurt.
Parallel fanden weitere Kundgebungen in Düsseldorf und Frankfurt statt. Auch international machten Belegschaften u.a. in Spanien, Italien, Frankreich und Südkorea gemeinsam auf mögliche Gefahren des geplanten Zusammenschlusses aufmerksam. Der heutige Tag fällt bewusst auf die Sitzung des TKE-Aufsichtsrats. Das Motto: „Es ist eine Minute vor zwölf."
Am 29. April 2026 hatten KONE und das Konsortium aus den Finanzinvestoren Advent und Cinven die Fusion beider Unternehmen bekanntgegeben – bewertet mit 29,4 Milliarden Euro, mehr als 100.000 Beschäftigte weltweit betroffen. Die Arbeitnehmervertretungen wurden dabei weder informiert noch konsultiert. Die IG Metall fordert verbindliche Zusagen für Arbeitsplätze und Standorte sowie die vollständige Einbindung der Mitbestimmungsgremien.
In der letzten Woche führten deshalb die Betriebsräte an allen Standorten außerordentliche Betriebsversammlungen durch. „Auf den Betriebsversammlungen war die Betroffenheit unter den Kollegen groß. Umso wichtiger war es jetzt, dass die Kollegen heute in Hannover ihre Emotionen rauslassen konnten. Wir wollen kämpfen und das zeigen wir auch!“, so Jasmin Heßler, Betriebsratsvorsitzende bei TK Aufzüge in Dresden.
„Wir sind mit zwei Reisebussen und Autos aufgebrochen nach Hannover und haben klar gemacht, dass wir gemeinsam in der Lage sind, noch mehr Druck aufzubauen, sollte es nötig sein“, sagte Manuela Bergmann, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Dresden und Riesa. „Unsere Erwartungen an die aktuellen und den möglicherweise zukünftigen Eigentümer wurde ordentlich verdeutlicht vor der KONE-Zentrale. Schön, dass es hinter den Fenstern Applaus von Beschäftigten für unsere Aktion gab. Auch Sie werden betroffen sein, wenn die Fusion tatsächlich realisiert wird.“
Besonders kritisch bewertet die IG Metall die angekündigten Kosteneinsparungen von rund 700 Millionen Euro jährlich. Erfahrungen aus vergleichbaren Fusionsprozessen zeigen, dass solche Größenordnungen in der Regel nicht ohne Auswirkungen auf Beschäftigung und Standorte zu erreichen sind. Die IG Metall erwartet daher belastbare Antworten: Wo sollen diese Einsparungen konkret herkommen – und was bedeutet das für die Belegschaften in Deutschland?
Die IG Metall fordert konkret: vollständige Transparenz über die Fusionspläne und ihre Auswirkungen auf Beschäftigung und Standorte, die sofortige und vollständige Einbindung aller Mitbestimmungsgremien auf betrieblicher, nationaler und europäischer Ebene sowie den zügigen Abschluss eines bundesweiten Zukunftstarifvertrags 2.0. Dieser muss verbindliche Beschäftigungssicherung, Standortgarantien, Investitionszusagen und den Erhalt der deutschen Standorte festschreiben.
Vor der Ankündigung des Verkaufs, die auch an die Presse ging, gab es keinerlei Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat. Auch im Aufsichtsrat wurde dieser konkrete Plan nicht thematisiert. Die IG Metall sieht in diesem Vorgehen einen klaren Bruch der vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Hintergrund:
Bei TK Aufzüge arbeiten 106 Beschäftigte in den Bereichen Modernisierung, Neuanlage und Service in Dresden und Erfurt.