Betriebsratswahlen BGH Edelstahl: Beschäftigte wählen am 10. März ihren Betriebsrat

Rund 800 Beschäftigte sind am 10. März aufgerufen, bei BGH Edelstahl am Standort Freital ihren Betriebsrat zu wählen. Das Stahlunternehmen produziert Edelstahl für verschiedene Branchen.

5. März 2026 5. März 2026


Torsten Ritschel, Betriebsratsvorsitzender bei der BGH Edelstahl Freital GmbH und seine Stellvertreterin Vanessa Liebschner berichten über die Themen und Herausforderungen vor der Betriebsratswahl.

Vanessa Liebschner, stellvertr. Betriebsratsvorsitzende und Torsten Ritschel, Betriebsratsvorsitzender, bei BGH Edelstahl

 

Wie ist die wirtschaftliche Lage bei euch?

Torsten: Bis Ende 2025 hatten wir schwierige Zeiten. Aber die Auftragslage stabilisiert sich gerade. Im Januar und Februar dieses Jahres sind die Auftragseingänge gegenüber den Vorjahren positiver. Wir hoffen, dass es weiter so bleibt. Wir sehen wieder viel Licht am Ende des Tunnels.

Vanessa: Wir befinden uns allerdings noch in Kurzarbeit. Die Lage ist noch schwierig und noch reichen die Aufträge nicht für eine Vollauslastung im ganzen Werk. Auch in manchen Schwesterbetrieben sieht es noch nicht so gut aus.

Vanessa: Wir befinden uns allerdings noch in Kurzarbeit. Die Lage ist noch schwierig und noch reichen die Aufträge nicht für eine Vollauslastung im ganzen Werk. Auch in manchen Schwesterbetrieben sieht es noch nicht so gut aus.

Wann wählt ihr euren Betriebsrat? Wie viele Kandidierende gibt es bei euch?

Vanessa: Wir wählen am Dienstag, 10. März unseren Betriebsrat. Für unser 13-er Gremium stellen sich 32 Kandidierende zur Wahl. Auch wenn es erst etwas schleppend angelaufen ist, haben sich jetzt doch so viele gemeldet.

Ist bei euch im Stahlbetrieb die Mitbestimmung eine feste Größe?

Torsten: Der Betriebsrat hat in den letzten 34 Jahren viel geleistet. Die Betriebsratsarbeit in einem inhabergeführten Unternehmen ist etwas anders. Die Kolleginnen und Kollegen schimpfen zwar manchmal, aber ohne Betriebsrat wollen sie auch nicht mehr sein.

Sind eure Kolleginnen und Kollegen motiviert, zur Wahl zu gehen?

Torsten: Beim letzten Mal lag die Beteiligung bei rund 50 Prozent. Daher rühren wir gerade die Werbetrommel und haben Aktionen vorbereitet, um die Beteiligung zu erhöhen. Wir haben über unsere Betriebs-App einiges veröffentlicht, Aushänge gemacht und sind im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen. Mit Schildern werden wir am Montag und Dienstag auf die Wahl aufmerksam machen.

Welche Themen bewegen eure Belegschaft?

Vanessa: Wir hatten durch die Kurzarbeit in der letzten Zeit extrem viele Fragen und Themen dazu. In den nächsten Monaten wird uns das Thema Flexibilisierung am Arbeitsplatz stark beschäftigen. In Zeiten der Kurzarbeit werden Kolleginnen und Kollegen in andere Abteilungen eingesetzt, um die unterschiedlichen Auslastungen abzufangen. Da treffen unterschiedliche Herangehensweisen und Gewohnheiten aufeinander. Oft müssen praktikable und richtige Lösungen gefunden werden. Die Flexibilisierung wird in den nächsten Jahren zunehmen.

Wie fordert euch die Kurzarbeit als Betriebsratsteam?

Vanessa: Einerseits müssen wir viel informieren und Fragen beantworten – und andererseits sind wir im stetigen Austausch mit der Geschäftsführung, um alles gut im Sinne der Beschäftigten zu regeln. Wir haben mit der Kurzarbeit viele zusätzliche Termine dazu bekommen.

Torsten: Als neuer Betriebsrat haben wir uns einen Stand auf Augenhöhe bei der Geschäftsführung erarbeitet. Sie binden uns frühzeitig in Entscheidungen ein.

Was macht gute Betriebsratsarbeit aus?

Vanessa: Unser Kollege Peter Welzel hat als Betriebsratsvorsitzender 34 Jahre die Betriebsratsarbeit hier am Standort geprägt. Seit er Ende 2024 in Rente gegangen sind, haben wir uns als Duo gemeinsam reingearbeitet. Gute Betriebsratsarbeit macht aus, das fortzuführen, was Peter und das Team erarbeitet haben, aber auch neue Wege zu gehen, die teilweise moderner sind.

Torsten: Gute Betriebsratsarbeit bedeutet, die Sache nicht aus dem Blick zu verlieren. Auch wenn wir mal emotionaler werden, ist es sinnvoller, die Ruhe zu bewahren und das große Ganze im Blick zu haben. Einerseits sind wir als Betriebsräte für die Kolleginnen und Kollegen da, hören gut zu, nehmen die Probleme mit und kümmern uns. Auch wenn wir nicht immer eine positive Lösung erzielen können, gehen wir es an. Natürlich ist es auch unser Interesse, den Standort zu erhalten. Im letzten Jahr haben wir es gut hinbekommen, bei der Verhandlung einer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeitabsenkung, als noch nicht klar war, ob die Kurzarbeit von staatlicher Seite verlängert wird oder nicht.

Wichtig ist es, im Betrieb präsent zu sein. Wir gehen so oft es geht einmal die Woche gemeinsam durch den Betrieb. Das Gespräch hilft, Themen zu erfahren und Meinungen zu hören. Uns Freigestellten geht es auch immer darum, dass wir das ganze Betriebsrats-Team einbinden. Es ist bei uns jeder im 13-er Gremium wichtig. Wir kommen aus allen Bereichen und haben dadurch einen Blick auf die Themen der Belegschaft.

Vanessa: Wir müssen das Ohr immer offen haben, auch manchmal für private Probleme. Wenn wir dann helfen können, das gibt einem viel und ist viel Wert. Das gehört für mich dazu.

Welche Erfolge hattet ihr als Betriebsrat in den letzten Jahren?

Torsten: Wir haben eine Regelung zum Job Bike eingeführt, eine monatliche Aufladung einer Kreditkarte von 50 Euro pro Beschäftigten verhandelt und erhalten, die Kantine konnte am Standort erhalten bleiben, da wir uns dafür eingesetzt haben.

Vanessa: Wir haben es geschafft, dass kein Beschäftigter gekündigt wurde. Wir haben alle an Bord behalten. Dafür haben wir auch mal nachgegeben, aber nicht auf große Brocken wie Weihnachtsgeld und Co verzichtet. Wir haben eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und halten dagegen, wenn es um gute Arbeitsbedingungen geht.

Wir haben beispielsweise abweichend von der bisherigen Regelung mit der IG Metall die Altersteilzeit erhöht. Die Kampagne heißt: „Wertschätzung der Stahlarbeit und Entlastung im Alter“. Die Jobs in der Stahlarbeit sind oft Knochenarbeit.

Torsten: Wir haben eine hohe Nachfrage nach Altersteilzeit. Und wir haben ein Prozent zusätzlich erhalten beim Tarifabschluss. Das verwaltet der Betriebsrat. Das haben wir gemeinsam mit der ARGE geschafft.

Wie steht es um die Zusammenarbeit mit der IG Metall?

Torsten: Wir arbeiten sehr eng und konstruktiv mit Tobias Salin zusammen. Es macht richtig Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist sehr kompetent und dadurch ist die Zusammenarbeit richtig eng geworden.

Vanessa: Die Kolleginnen und Kollegen geben uns sehr viel positives Feedback zu Tobias. Die Gewerkschaft braucht ein Gesicht im Betrieb. Und Tobias macht das richtig cool.

Was nehmt ihr euch für die Zukunft vor?

Torsten: Wir werden weiterhin daran mitarbeiten, den Standort zu erhalten und damit auch für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen und diese zu verbessern. Gerade in den heutigen geopolitischen Herausforderungen ändert sich die Lage sehr schnell. Beispielsweise steigen die Energiekosten gerade wieder. Wir haben mit einer Arbeitsverdichtung zu tun, die nicht gesund ist. Da gibt es noch viel zu tun.

Vanessa: Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam an unserer Unternehmens- und Gesprächskultur arbeiten. Ein faires Miteinander ist auf allen Ebenen wichtig. Wenn wir als Betriebsratsteam und Belegschaft gut zusammenarbeiten, gelingt uns mehr.

Hintergrund:

Bei BGH Edelstahl in Freital arbeiten rund 800 Beschäftigte. Produziert wird Edelstahl in Blöcken und Stäben. Dieses ist Rohmaterial zur Weiterverarbeitung u.a. in der Öl- und Gasindustrie, in der Windkraft, der Medizintechnik, der Automobilindustrie und im Bereich Verteidigung.

Das Interview führte Andrea Weingart.

 

Von: aw