Coswig. Ende Juni haben die Mitglieder der IG Metall in der Walzengießerei Coswig nach einer ausführlichen und kritisch geführten Diskussion mehrheitlich einem Abweichungstarifvertrag zur Standortsicherung zugestimmt. Mit ihrer Entscheidung übernehmen die Beschäftigten Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens und die Sicherung ihrer Arbeitsplätze. Nun steht die Unternehmensleitung in der Pflicht, das Vertrauen der Belegschaft durch konkrete Maßnahmen zurückzugewinnen.
Im November 2025 hatte die Walzengießerei Coswig Insolvenz angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 220 Beschäftigte betroffen. Das Insolvenzverfahren wurde im Februar 2026 eröffnet. Trotz der schwierigen Situation wurde die Produktion am Standort fortgeführt. Nach intensiven und anspruchsvollen Tarifverhandlungen konnte nun ein Verhandlungsergebnis erzielt werden.
Die Zustimmung der Mitglieder erfolgte nicht aus Begeisterung, sondern aus Verantwortung für die Zukunft des Standorts und die Sicherung der Arbeitsplätze. Die Mitgliederversammlung war von einer spürbar angespannten Stimmung geprägt. Viele Kolleginnen und Kollegen machten deutlich, dass ihre Bereitschaft, einen Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmens zu leisten, an klare Erwartungen gegenüber der Unternehmensleitung geknüpft ist.
Die vereinbarten Einschnitte für die Beschäftigten sind erheblich. Vereinbart wurden:
- die Verschiebung der tariflichen Entgelterhöhung auf den 1. Januar 2027,
- der Verzicht auf die tarifliche Sonderzahlung 2026 (Urlaubsgeld),
- sowie eine Reduzierung der Leistungszulage.
„Wichtig war der IG Metall, dass die tariflich Beschäftigten nicht allein die Lasten tragen. Deshalb wurde vereinbart, dass auch die außertariflich Beschäftigten am Standort einen gleichwertigen Beitrag leisten sollen“, erläutert Steven Kempe, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Dresden und Riesa.
Kempe betont zugleich:
„Klar ist: Die Belegschaft erwartet von der Unternehmensleitung spürbare Veränderungen. Ein ‚Weiter so‘ wie bisher darf es auch in der Insolvenz nicht geben. Die Beschäftigten leisten mit diesem Verhandlungsergebnis erneut einen erheblichen Beitrag zur Zukunftssicherung des Unternehmens. Dieser Beitrag darf nicht folgenlos bleiben.“
Die IG Metall und die Beschäftigten erwarten daher:
- eine konsequente Neuausrichtung des Unternehmens,
- mehr Transparenz bei Entscheidungen,
- eine nachhaltige Sicherung von Aufträgen und Beschäftigung,
- Reformen auf allen Ebenen des Unternehmens,
- sowie ausdrücklich Veränderungen und Verbesserungen im Bereich der Unternehmensleitung.
„Die Kolleginnen und Kollegen haben deutlich gemacht: Wer von der Belegschaft Solidarität und Beiträge erwartet, muss selbst Verantwortung übernehmen und Veränderungen vorantreiben“, so Kempe weiter.
Gemeinsam für die Zukunft des Standorts
Mit der Annahme des Verhandlungsergebnisses wurden die tariflichen Voraussetzungen geschaffen, um unter anderem den laufenden Investorenprozess zu unterstützen und dem Standort Coswig eine tragfähige Zukunftsperspektive zu eröffnen.
„Jetzt ist die Unternehmensleitung gefordert, das Vertrauen der Beschäftigten durch konkrete Taten zurückzugewinnen“, erklärt Steven Kempe.
Hintergrund:
Die Walzengießerei Coswig GmbH ist ein auf den Guss von Walzen und Handformguss spezialisiertes Industrieunternehmen mit Sitz in Coswig, in Sachsen, das schwere Stahlwalzen für die Metallindustrie, den Anlagenbau und die Kunststoffverarbeitung produziert. Das 1892 gegründete Unternehmen gehört zur DIHAG-Gruppe und fertigt hochwertige Walzen bis zu 60 Tonnen für den weltweiten Einsatz.